Der Igel als heimisches Wildtier ist nicht nur ein Symbol für die Natur in unserem Garten, sondern auch ein Indikator dafür, wie gut mit der Umgebung und der Umwelt umgegangen wird.
— C.P.

Der Igel.

In den Geschichtsbüchern wird oft der Braunbrustigel (E. europaeus) gezeichnet, der eine von vier Arten innerhalb der Gattung der Kleinohrigel (Erinaceus) darstellt. Ebenfalls gehören dazu der Nördliche Weißbrustigel, der Südliche Weißbrustigel und der Chinesische Igel. In Europa sind vor allem der Nördliche Weißbrustigel und der Braunbrustigel heimisch. In Deutschland ist der Braunbrustigel vertreten, der deshalb allgemein als »Igel« bezeichnet wird.

  • Der Igel ist ein dämmerungs- und nachtaktives Säugetier, das zu den Insektenfressern gehört. Zu ihren Verwandten gehören Maulwürfe, Spitzmäuse und Schlitzrüssler. Ihre Körperlänge beträgt rund 20 bis 30 Zentimeter, wobei ihr Körpergewicht signifikant zwischen 700 bis 1500 Gramm variiert in Bezug auf ihr Alter, ihr Geschlecht, die Jahreszeit und die geografische Lage. Ihre Vorderbeine sind kürzer und kräftiger als die Hinterbeine. Mit ihren Vorderbeinen graben sie in der Erde und bauen ihre Nester, während die Hinterbeine durch die Länge einen besseren Antrieb beim Rennen ermöglichen, wodurch sie eine Laufgeschwindigkeit von 2 km/h erreichen.

    Die organische Anatomie von Igeln weist einen kurzen und wenig spezialisierten Darm auf, wie er bei Insektenfressern typisch ist. Ein Blinddarm ist nicht existent und die Magenwand ist äußerst dehnbar. Dadurch kann der Igel bei übermäßigem Angebot mehr als das 10-fache der regulären Futterration fressen. Der Darm des Igels weist eine Länge auf, die dem sechs- bis achtfachen seiner Kopf-Rumpf-Länge entspricht. Dadurch misst die Passagezeit des Futterbreis beim Igel nur 20 Stunden. Seit Millionen von Jahren sind das Nahrungsspektrum, die Nahrungsaufnahme und die Verdauungsorgane aufeinander abgestimmt. Durch diese Spezialisierung ist er auf ein reichhaltiges Insektenangebot als Nahrung angewiesen. Zudem nimmt er aufgrund der Verstreuung seiner Beutetiere stets kleine Futterportionen auf und kann sich nicht überfressen.

  • Um das Nahrungsspektrum eines Igels aufzuschlüsseln, lässt er sich als Opportunist kategorisieren, wobei sein Verdauungssystem auf eine tierische Nahrung spezialisiert ist. Zu den Hauptbeutetieren zählen Invertebraten wie Käfer(-larven), Schmetterlingsraupen, Ohrwürmer, Zweiflügler-Larven und teilweise Tausendfüßer und Asseln. Besonders schattenliebende Laufkäfer der Gattung Dammläufer und Echte Laufkäfer gehören zu den Lieblingen. Ebenso Schnakenlarven und Erdraupen verschiedener Eulenfalter zählen dazu, die als Bodenbewohner vom Igel aus der Erde gegraben werden. Auch Regenwürmer und Schnecken werden in vielen Regionen gegessen, da die Igel oft darauf zurückgreifen müssen. Dabei ist zu beachten, dass zuletzt genannte Insekten oft Überträger von Parasiten sind und den Igel krank machen können.

    Wenn sich die Gelegenheit bietet, werden auch Wirbeltiere wie z. B. Frösche oder Mäuse ergattert, aber auch Aas oder Vogeleier nicht verschmäht . Einen geringen Stellenwert im Nahrungsspektrum des Igels nimmt pflanzliches Material wie z. B. Obst ein, da dieses im Verdauungstrakt nicht verwertet werden kann.

    Demnach profitieren Igel von einer ausgeprägten Biodiversität der Flora und Fauna in einem Gebiet und von heimischen Pflanzen, die die Insektenpopulation fördern.

  • Igel sind Kulturfolger.

    Da Igel eine Kombination aus verschiedenen Strukturen als Lebensraum benötigen, die sich aus Versteckmöglichkeiten, offenen Bereichen für die Nahrungssuche und trockenen Laubblättern zum Nestbau zusammensetzen, hat sich durch die Intensivierung der Landwirtschaft der ursprüngliche Lebensraum gewandelt. Heutzutage suchen sie in Siedlungsnähe Gärten, Parkanlagen, Kompostareale, Hecken und Streuobstwiesen zur Nahrungssuche auf. Zu den beliebtesten Terrains gehören dichtes Buschwerk, verwilderte Ecken, Wiesen- und Rasenflächen, Hecken, Rabatte, Stauden, Busch- und Waldinseln, naturbelassene Areale, Wildkrautflächen sowie Müllplätze, alte Gebäude und Deponien aller Art auf, in denen Igel Refugien und Ressourcen finden. Dazu gehören Kurz- und Langgras, Blühwiesen, bodendeckende Koniferen, Laub-Streuschichten, Unrat-, Stein-, Kompost- und Reisighaufen, Baumwurzeln, Holzstöße, Erdlöcher- und Höhlen sowie Lauben, Schuppen, Bauruinen, Ställe und Scheunen.

    Seine Nester baut er bevorzugt aus Laub, Trockengras, Schnittgut und Moos, das er in seinem Maul transportiert und im dichten Strauchwerk oder hohem Gras sowie unter Reisig, Kompost- und Holzhaufen platziert. Sobald er einen Haufen zusammengesammelt hat, kriecht er mit dem Kopf voran dort rein und dreht sich ein. Somit bildet die umgebene Blätterschicht eine stabile Struktur aus, die das Wasser wie Dachziegel ableitet. Innen befindet sich ein schützender Hohlraum, in dem der Igel liegt. Tagesnester zeichnen sich durch eine lockere Bauweise aus, wovon Igel im Sommer mehrere haben und abwechselnd beziehen.

    Ihre Streifgebietsgrößen variieren nach Geschlecht, Jahreszeit sowie Lebensraum. Pro Nacht können sie 2,5 Kilometer Wegstrecke zurücklegen. Dabei hält er sich stets in der Nähe von Versteckmöglichkeiten auf. Durch ihr hervorragendes Ortgedächtnis nutzen Igel ihre Streifgebiete bei der Nahrungssuche über mehrere Jahre hinweg.

  • Igel weisen, so wie alle Säugetiere, eine endotherme Körperregulation auf. Demzufolge ist die Körpertemperatur des Igels von der Außentemperatur weitgehend unabhängig und um eine gleichbleibende Körpertemperatur aufrechtzuhalten, benötigen sie viel Energie in Form von Nahrung. In den Wintermonaten herrscht aufgrund der fehlenden Insekten starker Nahrungsmangel, den die Igel durch den Winterschlaf überbrücken. Hierdurch sind sie in der Lage, ihren Energieverbrauch erheblich zu senken und die kalte Jahreszeit mit begrenzten Ressourcen zu überstehen. Mit dem Herbstanfang beginnen meist die adulten Männchen mit dem Winterschlaf, die sich seit der Paarungszeit genug Winterspeck anfressen konnten. Ab Ende Oktober folgen die Weibchen, nachdem sie sich nach der Aufzucht der Igeljungen die nötigen Fettpolster anlegen konnten. Zuletzt gefolgt ab Mitte November von den Jungtieren.

    Igel zählen zu den echten Winterschläfern, die bei andauernd niedrigen Temperaturen in einen Zustand der Dämmerstarre fallen, die wissenschaftlich als »Torpor« bezeichnet wird. Dieser Begriff wird nicht als Synonym für den Winterschlaf verwendet, sondern beschreibt einen vom Tier selbst steuerbaren physiologischen Zustand, den es während des Winterschlafs einnimmt und bei Bedarf innerhalb weniger Stunden unterbrechen kann. Den Torpor können ausschließlich Vögel und Säugetiere eingehen, wobei wiederum nach Arten unterschieden wird, welche zum Torpor fähig sind (heterotherm) und welche es nicht sind (homöotherm). Die eigenständige Kontrolle dieses Zustands durch das Tier unabhängig von der Umgebungstemperatur ist das prägende Merkmal.

    Der Winterschlaf wird bei Igeln neben dem sinkenden Nahrungsangebot auch durch weitere Faktoren eingeläutet. Dazu zählen die fallenden Temperaturen und die abnehmende Tageslichtlänge, die eine hormonelle Umstellung im Körper zur Folge haben und neurophysiologische Prozesse anstößt. Demzufolge ist der Igel in der Lage den Wechsel der Jahreszeiten wahrzunehmen und sich eine individuelle Winterschlafstrategie anzueignen. Im Allgemeinen sind der Gewichtsverlust und der Rückgang der Fettreserven von der Dauer des Winterschlafs abhängig und wie oft der Torpor spontan unterbrochen wird. Im Gesamten ist dadurch mit einem Gewichtsverlust von 25 bis 40 Prozent bis zur Beendigung des Winterschlafs zu rechnen. Der Winterschlaf ist von periodischen Wachphasen (=Arousals) geprägt, die unabhängig von der Außenwelt auftreten und alle sieben bis 14 Tage stattfinden. Um den Winterschlaf zu beenden, muss der Igel seine gesenkte Körpertemperatur wieder auf den Normalwert anheben. Sobald diese erreicht ist, und der Frühling mit milden Temperaturen von über 8 °C nachts vor der Tür steht, verlässt der Igel sein Winterquartier und begibt sich auf Nahrungssuche, um seine Reserven wieder aufzufüllen und sich für die Paarungszeit zu stärken.

  • Nach dem Winterschlaf beginnt die Paarungszeit bei den Igeln, wobei auch die Jungtiere ab dem zweiten Lebensjahr geschlechtsreif sind. Die Männchen erwachen tendenziell früher aus dem Winterschlaf als die Weibchen und beginnen schon damit sich neue Fettreserven anzufressen für die weiten Strecken, die sie während der Partnersuche auf sich nehmen. Je nach Witterung beginnt die Paarungszeit ab April und geht bis in den September, wobei die Hauptzeit zwischen Mai und August liegt. Das Balzverhalten der Igelpaare ist aufgrund der Geräuschkulisse sehr bekannt und wird umgangssprachlich als »Paarungskarussell« bezeichnet. Dabei umkreist das Männchen das Weibchen, welches ihn mit lautem Fauchen abwehrt. Kommt es beim Umwerben des Weibchens zur Paarung verlässt das Männchen sie danach.

    Das Weibchen ist ca. 35 Tage trächtig und hat je nach geografischer Lage eine durchschnittliche Wurfgröße von vier bis fünf Jungtieren. Diese sind bei der Geburt acht bis 25 Gramm schwer und ca. sieben Zentimeter lang. Die Jungtiere sind versorgungsintensiv, da sie ihre eigene Körperwärme nicht aufrecht halten können. Zudem kommen sie blind und nackt zur Welt, wie es für Nesthocker typisch ist. In der aufgequollenen Rückenhaut verbergen sich rund 100 Stacheln, die sich einige Stunden nach der Geburt ausbilden. Zuvor sind sie verborgen, um sicherzustellen, dass sie das Muttertier bei der Niederkunft nicht verletzten. Nach einer Woche sind die Jungtiere in der Lage die Stacheln aufzustellen. Nach ungefähr zwei Wochen beginnen sie damit sich einzurollen und ihre Augen zu öffnen. Im Wurfnest werden sie tagsüber von der Mutter gesäugt, die nachts auf Futtersuche geht. Die Igeljungen werden rund vier bis sechs Wochen von ihrer Mutter gesäugt, wobei die Igelmuttermilch sehr nahrhaft sowie reich an Fett und Eiweiß ist. Dadurch erreichen die Igeljungen bereits nach einer Woche das doppelte ihres Gewichts und nach einem Monat das Zehnfache. Ab einem Alter von drei bis vier Wochen starten sie die ersten eigenständigen Ausflüge, wobei sie ihre Umwelt erkunden und selbstständig lernen müssen, was essbar ist und was nicht. Nach fünf bis sechs Wochen verlassen sie das Nest endgültig und sind allein unterwegs. Dabei sind sie rund 250 Gramm schwer und müssen fortan an Gewicht zu legen bis der Winter ansteht.

  • Die körperliche Eigenart der Igel ist ein hochspezialisiertes und effektives Verteidigungssystem gegen Fressfeinde. Es besteht aus Stacheln und einem speziell ausgeprägten Hautmuskelsystem. Ein erwachsener Igel besitzt 5000 bis 8700 Stacheln, die rund zwei bis drei Zentimeter lang sind. Diese bedecken den oberen Kopf, den gesamten Rücken und die Flanken des Tieres, während der Bauch, die Beine und das Gesicht mit Fell bedeckt sind. Die Stacheln können bei Gefahr aufgestellt werden und die bestachelte Haut wird über den Körper und Kopf gezogen. Dieser komplexe Mechanismus ist durch den über den Körper führenden Hautmuskel möglich ist. Das Prinzip dieser physiologischen Eigenschaft ermöglicht das allseits bekannte einkugeln, das metaphorisch gerne als »einigeln« bezeichnet wird.

    Eine weitere Besonderheit bei Igeln ist ihr großes Farbspektrum, das die wenigsten kennen. Auch wenn die Beschreibung Braunbrustigel impliziert, dass ein Igel braun ist, gibt es auch sehr helle bis weiße Igel. Neben dem bekannten Albinismus ist auch der Leuzismus vertreten. Die albinotischen Tiere weisen typischerweise rote Augen auf und haben eine rosafarbene Haut, weißes Fell und weiße Stacheln, was durch einen Gendefekt zustande kommt. Im Gegensatz dazu haben leuzistische Tiere ebenfalls ein helleres Fell und hellere Stacheln, aber die Augen sind braun.