Igel gefunden - Was tun?

Erste Hilfe beim Igel

Die Aufnahme, Behandlung und Pflege von Igeln sowie deren Aufenthaltsdauer und Unterbringung unterliegt den geltenden tierschutzrechtlichen Bestimmungen auf die wir an dieser Stelle hinweisen möchten. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz (§ 44 BNatSchG) ist es grundsätzlich verboten, wildlebende Tiere der besonders geschützten Arten, zu denen auch der Igel gehört, der Natur zu entnehmen. Eine Ausnahme besteht, wenn das Tier offensichtlich hilfsbedürftig ist, z. B. durch Unterernährung, Verletzungen oder Krankheit.

Die vorübergehende Pflege darf ausschließlich mit dem Ziel erfolgen, den Igel nach seiner Genesung wieder in die Natur zu entlassen. Eine dauerhafte Haltung ist nicht erlaubt. Zudem ist sicherzustellen, dass die Betreuung fachgerecht und im Sinne des Wildtieres erfolgt, um den Tierschutzbestimmungen gerecht zu werden. Bitte beachtet, dass immer eine fachkundige Beratung eingeholt werden muss. Die auf dieser Webseite bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine individuelle Beratung durch Experten.

Wann ist ein Igel hilfsbedürftig?

Manchmal ist es schwierig zu entscheiden, wann ein Igel hilfsbedürftig ist. Im Winter muss bei Schnee und Frost jeder aktive Igel gesichert werden. Im Sommer ist besonders auf verwaiste Igel-Babies zu achten. Zur weiteren Einschätzung helfen die nachfolgenden Regeln.

Regel Nr. 1

Ein Igel, der am Tag gesichtet wird, zeigt unnatürliches Verhalten und sollte genauer angeschaut werden.

Gesunde Igel sind dämmerungs- und nachtaktiv und schlafen tagsüber in ihren Nestern. Es gibt nur wenige Ausnahmen, weswegen ein gesunder Igel sein Nest tagsüber verlässt. Das kann zum Beispiel eine säugende Mutter sein, die tagsüber auf Nahrungssuche geht, oder ein Igel, der in seinem Nest gestört wurde.

Regel Nr. 2

Ein Igel, der torkelt, apathisch ist, sich kühl anfühlt oder sogar verletzt ist, benötigt dringend Hilfe.

Gesunde Igel sind meistens schnell unterwegs und verschwinden schnell in ihren Verstecken (z.B. unter Hecken). Außerdem reagieren sie auf Umwelteinflüsse (z.B. Lärm, Bewegung), indem sie sich einkugeln. Ihre Körpertemperatur liegt bei normaler Aktivität bei ca. 35 °C und der Bauch ist handwarm.

Regel Nr. 3

Ein Igel, der einen deutlichen Hungerknick und eingefallene Flanken hat, benötigt Unterstützung.

Gesunde Igel haben eine runde Form und sind nicht eingefallen im Nacken (Hungerknick). Diese Igel haben genug Körperfett und können sich eigenständig versorgen. Wenn ein Igel eingefallen und abgemagert wirkt, dann muss er langsam und portionsweise zugefüttert werden, da sonst ein Kreislaufkollaps droht. 

Regel Nr. 4

Ein Igel, der deutliche Krankheitssymptome wie Husten zeigt oder hochbeinig läuft, muss zwingend medizinisch versorgt werden.

Gesunde Igel können mit einem mäßigen Befall an Innenparasiten leben. Wenn der Igel jedoch geschwächt ist und die Parasiten sich übermäßig vermehren, wird der Igel lebensbedrohlich krank. Oftmals hört man einen Igel dann husten oder er hat schleimigen Nasenausfluss. Ein kranker Igel muss medizinisch dagegen behandelt werden.

Regel Nr. 5

Ein Igel, der sehr viele Außenparasiten (z.B. Zecken, Flöhe, Fliegeneier) hat, hat meistens noch andere Probleme im Gepäck.

Auch gesunde Igel haben ein verträgliches Maß an Außenparasiten und können diese z.B. abkratzen. Für einen kranken Igel bedeutet das eine zusätzliche Belastung und die Zecken und Flöhe vermehren sich rasant. Fliegen riechen ein schwaches Tier und siedeln ihre Eier auf dem Igel an. Daraus schlüpfen Maden, die sich in den Igel fressen (z.B. durch die Augen, Ohren oder Po). Fliegen und Maden müssen umgehend entfernt werden. Den richtigen Umgang mit Außenparasiten könnt ihr hier nachlesen. 

Merkmale eines hilfsbedürftigen Igels

Sofortmaßnahmen

  1. Den Igel einsammeln, wiegen und Fotos machen

  2. Den Igel auf Fliegeneier, Maden oder Verletzungen kontrollieren

  3. Den Igel in einem ausbruchssicheren Karton (mind. 50 cm hoch) setzen

  4. Wenn der Igel sich kühl anfühlt, dann eine Wärmequelle (kein Rotlicht) dazulegen

  5. Dem Igel ein Handtuch (ohne Aufhänger) zum Einkuscheln geben

  6. Eine kleine Schale mit Wasser zur Verfügung stellen

  7. Nur eine geringe (!) Portion hochwertiges Katzenfutter anbieten

Hinweis: Bitte keine Flüssigkeiten einflößen, keine Unmengen an Futter geben und kein Spot-On gegen Flöhe verwenden.

Notfallgruppe

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  • Die meisten Igel-Säuglinge werden Ende Juli bis Anfang September geboren. Tagsüber liegt die Mutter mit ihnen im Nest und säugt sie. Nachts geht sie auf Beutefang und kann je nach Entwicklungszustand der Jungen auch mal länger wegbleiben.

    Igel-Säuglinge benötigen sofort Hilfe, wenn sie außerhalb des Nestes gefunden werden, vergebens nach der Mutter rufen, bereits unterkühlt sind und/oder von Fliegen umschwärmt werden. In diesem Fall sollten sie umgehend eingesammelt, mit einem angewärmten Handtuch zugedeckt oder auf eine handwarme Wärmflasche gesetzt werden. Fliegeneier sollten vorher abgesammelt werden. Anschließend sind unverzüglich eine Pflegestelle oder ein igelkundiger Tierarzt zu kontaktieren. Die Aufzucht von Igelsäuglingen erfordert viel Aufwand und Zeit und sollte unbedingt von erfahrenen Fachleuten übernommen werden. Igel sind laktoseintolerant und benötige spezielle Aufzuchtmilch. Sie sollten auf keinen Fall mit Kuhmilch gefüttert werden und auch kein Wasser eingeflößt bekommen.

    Wenn Igel-Säuglinge ohne Mutter im Nest entdeckt werden – etwa bei Gartenarbeiten –, sollte zunächst beobachtet werden, ob die Mutter zurückkehrt. Das Nest darf weder zerstört noch an einen anderen Ort versetzt werden. Igelmütter bleiben normalerweise tagsüber im Nest, können jedoch in stressigen Situationen kurzzeitig fortgehen. In der Regel sind sie nicht weit entfernt und haben ihren Wurf nicht verlassen. Daher ist Geduld gefragt: Erst wenn nach etwa zwei Stunden keine Mutter zurückkehrt, darf eingegriffen werden. Dann gelten die gleichen Maßnahmen wie zuvor.

    Igel-Säuglinge werden noch ausschließlich von Muttermilch ernährt. Sobald sie eigenständig Nahrung aufnehmen können, spricht man von Jungigeln. Insgesamt werden Igel etwa sechs Wochen lang gesäugt. Ab einem Alter von rund vier bis fünf Wochen beginnen sie jedoch, ihr Nest zu verlassen und in der Nähe erste Erkundungstouren zu unternehmen. Mit etwa sechs bis sieben Wochen sind sie schließlich selbstständig und nicht mehr auf die Mutter angewiesen.

  • Im Oktober ist es oft schwierig zu erkennen, ob ein Igel noch im Familienverband lebt, da einige Jungtiere erst im September geboren werden. Da sich Geschwister nicht durch äußerliche Merkmale voneinander unterscheiden, lässt sich nicht ohne Weiteres feststellen, ob ein Tier noch Wurfgeschwister in der Nähe hat. Der Familienverband bleibt in der Regel etwa sechs Wochen bestehen, bevor die Mutter ihren Nachwuchs verlässt. Zu diesem Zeitpunkt sollten gesunde Jungigel etwa 250 Gramm wiegen.

    Wenn die Nächte im Oktober bereits kalt sind, kuscheln sich Wurfgeschwister oft noch eng aneinander, um sich gegenseitig zu wärmen. Solche Igel haben mit zusätzlicher Fütterung im Garten gute Chancen, ihr Wintergewicht von mindestens 500 Gramm noch rechtzeitig zu erreichen.

    Anders verhält es sich, wenn ein einzelner Igel mit weniger als 200 Gramm tagsüber unterwegs ist. In diesem Fall ist das Tier vermutlich bereits unterkühlt und verbraucht seine aufgenommene Energie hauptsächlich zur Wärmeregulierung, anstatt an Gewicht zuzulegen. Ohne zusätzliche Wärmequelle und gezielte Fütterung wird es für ihn schwierig, sich auf den Winter vorzubereiten. Solche geschwächten Jungigel gelten als hilfsbedürftig und sollten vorübergehend in menschlicher Obhut aufgenommen werden. Es ist unverzüglich eine Pflegestelle oder ein igelkundiger Tierarzt zu kontaktieren, da je nach Entwicklungszustand auch noch Aufzuchtmilch nötig sein kann.

    In diesem Fall ist dringend nach weiteren Geschwistern zu suchen.

  • Wenn das Wetter bereits ab März sehr sonnig ist, kommt es vor, dass einige Igel zu früh aus ihrem Winterschlaf aufwachen. Da die kalte Jahreszeit ihre Energiereserven stark aufgebraucht hat, müssen sie nun dringend an Gewicht zulegen. Doch das Nahrungsangebot ist zu dieser Zeit noch begrenzt – bisher sind wenige Insekten unterwegs, die als Nahrungsquelle dienen.

    Viele Igel passen ihren Rhythmus daher den Wetterbedingungen an und bleiben je nach Region bis in den April oder sogar Mai in ihrem Unterschlupf. Erst mit steigenden (Boden-)Temperaturen im Frühjahr werden auch mehr Insekten aktiv, sodass das Nahrungsangebot für die Igel allmählich wächst.

    Um bereits erwachten Igeln den Start in die Saison zu erleichtern, kann es sinnvoll sein, ihnen geeignetes Futter bereitzustellen. Dies sollte jedoch geschützt in einem Futterhaus angeboten werden, damit es tatsächlich den bedürftigen Tieren zugutekommt. Außerdem sollten diese Igel einmal genauer angeschaut werden, da sie auch durch Garten arbeiten aufgescheucht (und verletzt) werden konnten oder durch übermäßigen Parasitenbefall erwacht sind.

  • Ein hustender Igel leidet häufig unter einem Befall mit Lungen- und/oder Lungenhaarwürmern – ein Problem, das viele Igel betrifft. Ein gesunder Igel kann mit einem mäßigen Parasitenbefall leben.

    Wenn es möglich ist, sollte der Igel einmal genauer angeschaut werden. Falls der Igel zusätzlich auffällige Symptome wie rasselnde Atemgeräusche, Abmagerung, tagsüber umherirrendes Verhalten, Schleimausfluss aus der Nase oder Durchfall zeigt, ist er hilfsbedürftig und benötigt dringend eine medizinische Versorgung.

  • Wenn ein Igel sich am Vogelfutter bedient (womöglich sogar tagsüber), leidet er an Hunger und findet keine ausreichende Nahrung (z.B. Käfer). Die Bestandteile im Vogelfutter kann der Igel nicht verwerten. Sie füllen lediglich seinen Magen aber füllen nicht die Fettreserven. Er würde sinnbildlich gesprochen mit vollem Magen verhungern. Dieser Igel benötigt geeignetes Futter und womöglich weitere Hilfe.

FAQ’s