Gefahren

Die Sterblichkeitsrate ist mit 60 bis 80 % im 1. Lebensjahr bei Igeln sehr hoch. Die durchschnittliche Lebenserwartung in freier Wildbahn liegt bei zwei Jahren, obwohl das Höchstalter unter den optimalen Bedingungen bei 7-8 Jahren liegt. Ein Igel gilt daher mit vier Jahren bereits als Altigel. Zu den häufigsten natürlichen Mortalitätsfaktoren zählen Verhungern oder Erfrieren im Winterschlaf, Krankheiten und Parasiten sowie Fressfeinde und Prädation. Nicht unbeachtlich für den Populationsrückgang sind die Gefahren, die durch Menschen ausgehen.

Natürliche Feinde des Igels

Zu den natürlichen Fressfeinden des Igels gehören in erster Linie der Uhu  und der Dachs, die adulte Tiere erbeuten können. Der Uhu besitzt lange Krallen an den Füßen, die sie als Fänge nutzen und den Igel erdolchen. Danach wird der Igel mit dem Schnabel und den Krallen aufgebrochen und zurück bleibt das leere Stachelkleid. Ein ähnliches Tötungsverhalten weist der Dachs auf, der mit seinen kräftigen Klauen einen eingerollten Igel öffnen kann. Sobald der Igel seine Muskelspannung kurzzeitig vernachlässigt, packt der Dachs ihn mit seinen Zähnen an seinen Beinen und zerrt ihn aus seiner Stachelhülle. Zurück bleibt nach diesem Beutezug nur das Stachelkleid. Zu den jagdgetriebenen Feinden gehört auch der Hund, der des Öfteren Igel in Parks oder den eigenen Gärten aufspürt, seine Nester zerstört, ihm Bissverletzungen zuführt oder ganze Würfe von Igeljungen tötet. Die Wunden, die der Hund mit seinen Eckzähnen bei einem Igel verursacht, können sich entzünden, beginnen zu eitern und führen letztendlich zum schmerzhaften Tod des Igels. Weitere Fressfeinde sind zum Teil der Rotfuchs und Beutegreifer wie Marderhund, Waschbär und Iltis, die Jungtiere und geschwächte Igel erbeuten können.

Ebenfalls eine Gefahr für die Igel stellen Endo- und Ektoparasiten dar. Je nach Belastungsgrad können sie die Vitalität des Igels stark beeinträchtigen und unter Umständen zum Tod des Tieres führen. Mehr erfahren

Die größten Gefahren für Igel sind in der alltäglichen, auf die Bedürfnisse des Menschen abgestimmten Umwelt zu finden.

Dazu zählen die zunehmende Veränderung des Lebensraums, die mit einer Verschlechterung der Lebensraumqualität einhergeht, und bis hin zur direkten Lebensraumzerstörung wirkt. Durch das Wachstum der Siedlungen wird die Zerstückelung des Lebensraums weiter verstärkt, weshalb die Jagdgründe und Streifgebiete zu Labyrinthen für den Igel werden. Dies wird durch hermetische Mauern, steile Treppen, hohe Absätze und undurchdringliche Zäune hervorgebracht.

1. Straßenverkehr

Straßen sind die größte Bedrohung für Igel, denn sie kreuzen häufig ihren Lebensraum. Als dämmerungs- und nachtaktive Tiere erkennen Igel herannahende Fahrzeuge oft zu spät. Ihre natürliche Reaktion sich bei Gefahr einzurollen, wird ihnen zum Verhängnis. Bei der Zahl der Todesopfer spielen Saison und Geschlecht eine große Rolle. Im Frühjahr sind es oft die Männchen, da sie große Distanzen in der Paarungszeit zurücklegen. Im Herbst kommen viele Jungigel ums Leben beim Erkunden der Umgebung. Pro Jahr führt das zu einer Todeszahl von ungefähr einer halben Millionen Igel, die dem Straßenverkehr zum Opfer fallen (Deutsche Wildtierstiftung, 2024).

Zusätzlich sorgt der Straßenbau für eine immer stärkere Fragmentierung ihrer Lebensräume. Igel müssen oft viele Straßen überqueren, um Futter oder neue Reviere zu erreichen, was ihre Überlebenschancen drastisch gesenkt wird. Viele Grünflächen werden durch Straßen zerschnitten, wodurch sichere Wege für die Igel verloren gehen. Weniger miteinander vernetzte Lebensräume bedeuten zudem weniger Rückzugsorte und Nahrung, was den Bestand langfristig gefährdet und einer Verinselung der Populationen führt, wodurch der genetische Austausch begrenzt ist.

2. Gartengeräte

Die schwersten oder meist tödlichen Verletzungen entstehen durch den unaufmerksamen oder unsachgemäßen Gebrauch von Gartengeräten wie Motorsensen (z. B. Freischneider, Tellersense, Rasentrimmer), Rasenmähern, Mährobotern und Laubsaugern/-bläsern sowie Mistgabeln. Sowohl in privaten Gärten als auch in öffentlichen Parks und Grünanlagen stellen sie eine zunehmende Bedrohung dar. Durch das Mähen und Schneiden unter Hecken, an Büschen und im hohen Gras ohne die vorherige Kontrolle auf Tages- und Schlafnester werden Igel häufig verstümmelt oder getötet. Ebenso führt die unbeaufsichtigte Nutzung von Mährobotern zu einer Vielzahl von Verletzungen bei Igeln, besonders wenn diese in den dämmernden Abendstunden oder in der Nacht laufen. Die Technik ist nachweislich nicht so weit entwickelt, dass sie vor den Kleinsäugetieren und anderen Wildtieren wie Amphibien Halt machen. Da Igel nicht zu den Fluchttieren zählen, haben sie gegenüber den motorisierten Gegnern keine Chance. Die meisten Verletzungen werden durch tiefe Schnittwunden, zertrümmerte oder verstümmelte Gesichter, zerschlagene Ober- und Unterkiefer und abgetrennte Extremitäten hervorgerufen. Durch das Umsetzen von Kompost-, Reisig- und Misthaufen mit der Mistgabel werden Igel in ihrem Unterschlupf aufgespießt.

Neben den verursachten Verletzungen gelangen Schmutz und Keime direkt in die Wunden. Besonders im Sommer führen solche Schnittwunden aufgrund der beschleunigten Ansiedlung von Fliegen, die ihre Eierpakete ablegen, woraus die Maden schlüpfen, zu einem qualvollen Tod.

3. Zäune und Netze

Zäune sind für Igel oft unüberwindbare Hindernisse und stellen eine ernsthafte Bedrohung dar. Undurchlässige Zäune und Mauern zerschneiden ihre Lebensräume, verhindern ihre natürliche Fortbewegung und können im schlimmsten Fall tödlich für sie enden. Besonders problematisch sind engmaschige Zäune und Metallgitter (z.B. Stabmattenzäune). Igel versuchen oft, sich hindurch zu quetschen, doch ihre Stacheln verhaken sich, sodass sie weder vor noch zurück kommen. In ihrer Panik kämpfen sie stundenlang um ihre Befreiung, bis sie vor Erschöpfung aufgeben oder qualvoll verenden.

Besonders heimtückisch sind elektrische Zäune. Sie werden oft in der Landwirtschaft oder zur Tierhaltung eingesetzt, können aber für kleine Wildtiere wie Igel tödlich sein. Da Igel instinktiv bei Gefahr verharren und sich einrollen, können sie bei Berührung mit einem Elektrozaun nicht wie andere Tiere fliehen. Stattdessen erleiden sie wiederholte Stromschläge, die zu schweren Verletzungen, Kreislaufversagen oder einem qualvollen Tod führen können.

Eine zusätzliche Gefahr stellen provisorische Absperrungen dar, wie Bauzäune oder Netze (z.B. Vogelnetze, Fußballtore). Sie sind häufig instabil oder haben schmale Zwischenräume, in denen sich Igel einklemmen und/oder verletzen können. Besonders fatal sind Plastiknetze, die oft im Garten- und Landschaftsbau eingesetzt werden. Die Igel verfangen sich mit Kopf oder Gliedmaßen, drehen sich im Todeskampf immer weiter ein und strangulieren sich oder ziehen sich tiefe Schnittwunden zu.

4. Abstürzen oder Ertrinken

Offene Kellerschächte oder Lichtschächte wirken für Igel wie unsichtbare Fallen. Sie fallen hinein und können aufgrund der glatten Wände nicht mehr herausklettern. Ohne Rettung bleiben sie dort gefangen, bis sie verhungern oder verdursten. Besonders gefährlich sind tiefe Schächte, die oft übersehen werden, sodass hilflose Tiere unbemerkt sterben. Offene oder steile Außentreppen, insbesondere mit großen Abständen zwischen den Stufen, können für Igel gefährlich sein. Sie können zwischen den Stufen abstürzen und sich schwer verletzen. Verletzte Tiere sind oft nicht mehr in der Lage, sich selbstständig zu versorgen und sterben qualvoll.

Igel sind gute Schwimmer, aber ihre Kraft reicht nicht aus, um glatte Poolränder oder steile Ufer von Teichen zu erklimmen. Einmal ins Wasser gefallen, paddeln sie verzweifelt, bis sie erschöpfen und ertrinken. Besonders gefährlich sind Pools mit hohen Rändern oder Teiche mit steilen Böschungen, da es für die Tiere keinen Ausweg gibt.

5. Gelbe Säcke, Dosen, Abfälle

Nicht zu vernachlässigen sind ebenso die Gefahren von wahllos entsorgtem Abfall und im Speziellen die gelben Säcke, worin ein Igel nach Nahrungsresten sucht. Besonders Joghurtbecher und Dosen können gefährlich werden, da sie mit ihrem Kopf stecken bleiben können, sich tiefe Schnittverletzungen zu ziehen und mit Bakterien wie Salmonellen anstecken können. Sobald sie sich im gelben Sack verheddert haben und sich nicht selbstständig befreien können, werden sie am Tag der Müllabfuhr mit entsorgt.

6. Gift und Pestizide

Igel kommen immer häufiger mit Pestiziden in Kontakt, insbesondere wenn diese in Gärten, auf Feldern oder in Parks versprüht werden. Das geschieht auf verschiedene Weise:

  • Hautkontakt: Igel laufen durch mit Pestiziden behandelte Flächen und nehmen die Chemikalien über ihre Haut oder Pfoten auf.

  • Aufnahme durch Belecken: Igel pflegen sich regelmäßig, indem sie ihr Fell und ihre Stacheln mit der Zunge reinigen. Dadurch gelangen Pestizidrückstände, die sich auf ihrem Körper abgelagert haben, direkt in ihren Organismus.

  • Vergiftung durch kontaminiertes Wasser: Pestizide, die bei Regen oder Bewässerung in Pfützen oder kleine Wasserstellen gelangen, können von Igeln beim Trinken aufgenommen werden.

Diese direkten Vergiftungen können akute Symptome wie Lähmungen, Atemnot, Zittern, Orientierungslosigkeit und Krämpfe verursachen. In vielen Fällen führen sie zu Organversagen und einem qualvollen Tod.

Rodentizide, die zur Bekämpfung von Mäusen und Ratten eingesetzt werden, sind für Igel besonders gefährlich. Diese Gifte enthalten meist blutgerinnungshemmende Substanzen, die innere Blutungen verursachen. Viele Gartenbesitzer setzen Schneckenkorn ein, um Schnecken zu bekämpfen. Doch dieses Mittel enthält oft das Nervengift Metaldehyd, das auch für Igel hochgiftig ist.

Der großflächige Einsatz von Pestiziden und Giften hat nicht nur direkte Auswirkungen auf einzelne Igel, sondern auch auf ganze Populationen. Die zunehmende Vergiftung der Umwelt führt zu Nahrungsmangel, da viele Insektenarten durch Pestizide vernichtet werden, und einen langfristigen Populationsrückgang der Igel.

7. Schlag- und Lebendfallen

Schlagfallen, die zur Bekämpfung von Ratten oder anderen Nagetieren eingesetzt werden, können für Igel zur tödlichen Gefahr werden. Wenn diese ungesichert auf dem Boden stehen, geraten die Igel auf der Suche nach Nahrung dorthinein. Die Fallen sind so konstruiert, dass sie mit großer Kraft zuschnappen und das Nagetier sofort töten sollen. Ein Igel, der seinen Kopf in die Falle steckt, kann schwerste Schädelfrakturen oder Genickbrüche erleiden. Falls er mit einer Pfote oder einem Bein eingeklemmt wird, kann er entweder nicht mehr entkommen und verblutet oder trägt die Falle mit sich herum und stirbt durch Infektionen. Neben den grauenvollen Schmerzen können sie so auch nicht mehr nach Nahrung graben oder Wasser aufnehmen und verenden elendig. Junge Igel sind aufgrund ihrer Körpergröße besonders gefährdet. Sie sind unerfahren, erkunden ihre Umgebung neugierig und erkennen die Gefahr nicht. Ein einziger Fehltritt kann für sie das Todesurteil bedeuten.

Auch Lebendfallen können ein Problem darstellen, wenn diese nicht regelmäßig kontrolliert werden. Ein Igel, der versehentlich gefangen wird, kann stunden- oder tagelang ohne Nahrung und Wasser festsitzen. Gerade bei warmem Wetter kann dies zu Dehydrierung und einem qualvollen Tod führen.

8. Unbemerktes Einsperren

Offene Garagen, Gartenhäuser oder Keller sind für Igel verlockende Rückzugsorte. Sie kriechen hinein, um Schutz zu suchen oder sich zu verstecken, doch wenn Türen oder Fenster geschlossen werden, sitzen sie in der Falle. Ohne Zugang zu Nahrung und Wasser kann das Tier verhungern oder verdursten. Besonders fatal ist es, wenn Igel sich in dunklen Ecken verstecken und tagelang unbemerkt bleiben.

9. Feuer

Feuerstellen wie Gartenabfallhaufen oder traditionelle Brauchtumsfeuer sind für Igel eine oft unterschätzte Gefahr. Aufgeschichtete Holz- und Reisighaufen bieten ihnen einen scheinbar sicheren Unterschlupf, der sie vor Fressfeinden und Witterung schützt. Doch wenn diese Haufen ohne vorherige Kontrolle angezündet werden, wird das Versteck zur tödlichen Falle. Igel fliehen nicht vor der Gefahr, sondern rollen sich bei Bedrohung instinktiv zusammen und verbrennen qualvoll.

Hinweis: Tipps, wie sich diese Gefahren minimieren und vermeiden lassen findet ihr hier.