Krankheiten

Ektoparasiten (Außenparasiten)

Die meisten Igel sind von Zecken und Flöhen befallen. Diese Ektoparasiten dürfen niemals mit handelsüblichen Spot-Ons für Haustiere behandelt werden, da diese für Igel schnell tödlich enden. Sie wirken als Nervengift, dass direkt ins Gehirn gelangt und zu Krämpfen führt.

Die Zecken und Nymphen können mit den richtigen Utensilien gezogen werden. Die Flöhe können entfernt werden, indem der Igel über einer Schale mit Wasser und Spülmittel gehalten wird und die Flöhe abgebürstet werden. Alternativ kann man die Stacheln des Igels mit qualitativ hochwertigem Öl benetzen, sodass die Flöhen versterben. Ein Mittel, was sehr einfach funktioniert und eine gute Verträglichkeit zeigt, ist das Läusemittel Permethrin Biomo. Dieses ist in der Apotheke erhältlich und kann in eine Zerstäuberflasche umgefüllt werden. Durch ein bis zwei Pumpstöße auf den Po des Igels werden die Parasiten abgetötet. Bitte immer darauf achten, dass der Igels nichts ins Gesicht bekommt. 

Besonders gefährlich von Mai bis Oktober können Schmeiß- oder Aasfliegen sein, da sie die Fliegenmadenkrankheit (Myiasis) auslösen, die innerhalb kürzester Zeit zum Tod führt. Die Fliegen können den Geruch eines kranken oder sterbenden Tieres kilometerweit wittern und legen ihre Eierpakete auf ihm ab. Vorrangig werden dafür offene Wunden oder Körperöffnungen wie Augen, Ohren oder Genitalien gewählt. Neben geschwächten oder verletzten Adulten werden auch ungeschützte Nestlinge, unterernährte Herbstigel und Igel mit starkem Flohbefall jeden Alters zur Eiablage angeflogen. Bei letztgenannten sorgt der bluthaltige Flohkot, der auf der Haut und zwischen den Stacheln der Igel lagert, für den anziehenden Geruch der Fliegen. Die Eier der Fliegen schlüpfen durch die Körperwärme des Wirts und die Maden im ersten Larvenstadium beginnen sich durch die Körperöffnungen und Wunden in den Körper des Igels hineinzufressen, um zu den attraktiven Weichteilen vorzudringen. Der Igel wird infolgedessen bei lebendigem Leib zerfressen. 

In diesem Fall muss der Igel umgehend einer Pflegestelle oder igelkundigen Tierarzt gebracht werden. Bis dahin ist es wichtig damit zu beginnen alle Fliegeneier und Maden abzusammeln. Nicht mit Wasser spülen!

Beim Umgang mit Igeln ist der Selbstschutz wichtig. Bitte trage Handschuhe und achte auf deine Hygiene. Aber bitte scheue nie davor einem Igel zu helfen, weil er Flöhe oder Zecken hat.

Hautkrankheiten

Neben den Ektoparasiten, die mit bloßem Auge erkennbar sind (Flöhe, Zecken, Maden), sind Igel auch oft von Hautkrankheiten, wie Milben oder Pilz oder einer Mischform daraus, befallen. Am stärksten betroffen sind die Ohren und die Gesichts- und Fellpartien. Manche Milbenarten sitzen auch an den Stacheln, tief unter der Haut. Die Symptome von Milbenbefall sind meistens krustige Hautveränderungen, Schuppen, Stachelverlust und ein starker Juckreiz. Aber auch ein Hautpilzbefall äußert sich so. 

Eine Behandlung der Hautkrankheiten ist langwierig und erfordert einen erhöhten Eigenschutz und Hygienestandard.

Endoparasiten (Innenparasiten)

Die meisten Igel sind von Innenparasiten befallen, die durch das Fressen von Schnecken oder Regenwürmern übertragen werden. Je nach Belastungsgrad können sie die Vitalität des Igels beeinträchtigen und unter Umständen zum Tod des Tieres führen. Die Saug-, Faden- und Bandwürmer können in verschiedenen Organen folgenschwere Parasitosen hervorbringen. Ein mäßiger Wurmbefall ist für einen gesunden Igel nicht bedrohlich, aber eine höhere Parasiten-dichte, die sich oft durch Mangelernährung ausbreitet, verschlechtert den Allgemeinzustand des Igels alarmierend. Neben den Symptomen wie ständigem Husten, rasselnden Atemgeräuschen, Kurzatmigkeit, verklebten Augen und verschleimten Nasenausfluss bei parasitierten Atmungsorganen und den Symptomen wie stinkendem Kot, Durchfall, Dehydration und verminderter Muskelspannung bei parasitierten Verdauungsorganen, leiden die betroffenen Tiere an Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Unbehandelt führt dies zum Tod der Tiere.

Die Parasiten können durch eine Analyse der Kotprobe nachgewiesen werden. Diese erfolgt unterm Mikroskop und zeigt die Parasitenart und den Befall. Je nach Befund wird entschieden, welches Medikament verabreicht werden muss und wie der Genesungsverlauf aussieht (Medizinische Behandlungstherapien).

Hinweis: Nicht jeder Tierarzt ist igelkundig und auf den Umgang mit Wildtieren spezialisiert. Da eine falsche Behandlung (z.B. Überdosierung von Medikamenten) eine große Gefahr für einen hilfsbedürftigen Igel darstellen kann, sollte eine medizinische Behandlung immer nach dem aktuellen Kenntnisstand der Forschung betrieben werden. Wenn ihr mit einem Igel zu einem Tierarzt geht, nutzt bitte dieses Merkblatt für euren Tierarzt. Weitere Informationen zu dem medizinischen Umgang mit dem Igel als Patient und anderen Wildtieren findet ihr unter www.wildtieraerztin.de